Absolventenverein Kollegium Aloisianum
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17.06.2011, erstellt am 17.06 2011 von Christian Müller, Quelle: Freinberger Stimmen, Dr. Jakob Ebner

50-jähriges Maturajubiläum (1961)

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Am Sonntagvormittag vor der Freinbergkirche: Von links nach rechts: Georg Huber, Dr. Jakob Ebner, Dr. Josef Prüwasser, Mag. Dr. Leopold Bittermann, RR Johann Höglinger, Dr. Sigurd Pechlaner, Ernst Hable, Mag. Wilhelm Schneider, Josef Ruttenstock, KsR Alfons Einsiedl.

Die Maturaklasse 1961 feierte vom 17. bis 19. Juni 2011 Juni ihr 50-jähriges Maturajubiläum. Nach einer Führung durch das Aloisianum, bei der sich das Interesse an der heutigen baulichen und schulischen Situation mit den Erinnerungen an die Lebensräume vor 50 Jahren mischten (Wo waren die Schlafsäle, die Waschräume mit dem kalten Wasser, wo konnte man hinaussteigen ... ?), gab es einen ersten gemeinsamen Abend im Pöstlingbergschlössl, bei dem wir auch unsere beiden Professoren treffen konnten: Prof. Ferdinand Hütter, noch frisch im 93. Lebensjahr, und Dr. Otto Vogl, der uns mit seinem Mathematik und Physikunterricht sehr geprägt hat.

Am Samstag gab eine Schifffahrt auf der Donau nach Krems und Rückfahrt mit der Bahn Gelegenheit zu ausführlichen Gesprächen. Als Tenor der Erinnerungen kann man eine positive Sicht der Zeit im Aloisianum (damals sprach man aber eher von "der Freinberg") feststellen. Über die Problematik der Internatserziehung ist es müßig zu reden, wenn der Staat in den Bildungsmöglichkeiten für Landkinder völlig versagt hat, ja sie geradezu verhindern wollte, sodass für die meisten von uns ohnehin nur ein kirchliches Internat in Frage kam. Das Internat am Freinberg war aber ein kleines, überschaubares und im Vergleich zu anderen menschlich geführtes.

Was immer wieder zur Sprache kam: Geschichtsunterricht führte bis in die Gegenwart, die NS-Zeit wurde ausführlich behandelt, was in den 50er Jahren in den Schulen ja keineswegs selbstverständlich war. Dazu mag auch beigetragen haben, dass eine Reihe von Jesuiten selbst KZ, Justizhaft oder Verbannung erlebt hatten, wenn sie auch davon nicht viel Aufhebens machten. Ebenso prägend war die Aufgeschlossenheit für Moderne im Literaturunterricht. Pater Leisner erklärte die damals neuesten Strömungen des absurden Theaters und des französischen Existenzialismus und ging mit Interessierten in experimentelle Aufführungen. Seine Theaterarbeit fand unter Schülern reiche Nachahmung, entweder am Aloisianum selbst oder z. B. bei Josef Stammler, der in Timelkam eine große Theatertradition aufbaute und sie bis zu seinem Tod führte.

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Am Freitagabend im Pöstlingbergschlössl mit ehemaligen Lehrern. Von links nach rechts: Dr. Jakob Ebner, Ernst Hable, Dr. Josef Prüwasser, P. Paul Mühlberger SJ, Prof. Ferdinand Hütter, Prof. Otto Vogl, Mag. Dr. Leopold Bittermann, KsR Alfons Einsiedl (verdeckt), Dr. Josef Ruttenstock, Dr. Sigurd Pechlaner

Am Sonntag feierte unser Mitschüler Alfons Einsiedl mit uns in der Freinbergkirche den Gottesdienst. Eingeschlossen war das Gedenken an unsere bereits verstorbenen Kollegen Edmund Schneider, Rudolf Brunner, Josef Stammler und Manfred Kaiblinger. Ein letzter Frühschoppen im "Freinberger Hof" (heute Wienerwald) versammelte nochmals alle Teilnehmer. Von den 18 Maturanten, 14 noch Lebenden, fehlten die beiden Ausgewanderten, zu denen wir keinen Kontakt mehr finden konnten (Günter Steyringer und Peter Westermeier) sowie die verhinderten Wilhelm Haghofer und Hermann Haberzettl.

Als die 24 Erstklassler im Jahr 1953 nach bestandener Aufnahmsprüfung die Schule antraten, war die Nachkriegszeit noch deutlich spürbar. Der zweite Stock war zum  Teil noch mit Schutt gefüllt, die Wasserinstallationen funktionierten oft noch nicht, das Essen karg, aber viele hatten es zu Hause auch nicht anders. Die Fluktuation unter den Schülern war groß, nur fünf der 1953 eingetretenen Schüler machten den geradlinigen achtjährigen Weg zur Matura. Die turbulente Zeit spiegelt sich in unseren kuriosen Maturazeugnissen: Obwohl immer in derselben Schule, waren darin drei Schulen angeführt: Fünf Jahre Kollegium Kalksburg; der Freinberg war nur Expositur des Wiener Jesuitengymnasiums, und wir mussten den gesamten Jahresstoff in Schlussprüfungen vor den Kalksburger Professoren präsent haben; das präpotente Auftreten mancher Wiener Prüfer blieb lange in Erinnerung. Die sechste Klasse absolvierten wir als Schüler des Akademischen Gymnasiums, da der Freinberg dieses Jahr am Übergang zur Selbstständigkeit als Expositur dieser Anstalt geführt wurde. Die Zeit der Jesuiten als Professoren war damit weitgehend zu Ende. Erst für die 7. und 8. Klasse konnte "Gymnasium der Jesuiten Kollegium Aloisianum" im Zeugnis stehen, wir waren also der zweite Maturajahrgang nach Erlangung des Öffentlichkeitsrechts.

Angemerkt sei noch, dass wir die erste Klasse waren, die eine Maturazeitung herausgab, damals noch qualitätsbeflissen mit kulturellen Beiträgen, und mit der Zeitung finanziert die erste Maturareise veranstaltete. Es ging auf Anraten von Prof. Zerlik nach Senigallia an der Adria. Die nächtliche Bahnfahrt durch Südtirol erfolgte teils mit etwas mulmigem Gefühl, weil es gerade Zeit der „Bumser“,  der Bombenattentate, war und Carabinieri die ganze Bahnstrecke bewachten.

 

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