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05.05.2014, erstellt am 20.11 2014 von Christian Müller, Quelle: Freinberger Stimmen, Mag. Wilhelm Remes

Ein Jahr Papst Franciscus

2014 05afbWien
Dr. Franz Xaver Brandmayr über das einjährige Pontifikat von Papst Franciscus (Foto: privat)

Ein gemeinsamer Abend mit Altfreinberger Dr. Franz Xaver Brandmayr im Club der Altkalksburger am 5. Mai 2014  brachte eine realistischere Sicht der Dinge hinsichtlich des mehr als einjährigen Wirkens des neuen Papstes Franciscus in der ewigen Stadt Rom.

 

Zunächst gab Rektor Dr. Franz Xaver Brandmayr  - Rektor des Päpstlichen Institutes Santa Maria dell‘ Anima / Rom - einen Rückblick auf die Geschehnisse vor der Wahl des neuen Papstes Franciscus, insbesondere auf das Ereignis Anfang Februar 2013 der Rücktrittsankündigung Papst Benedikts XVI., deren Tragweite von einer lateinkundigen Journalistin eher verstanden wurde als von den anwesenden Kardinälen.

 

Im Konklave, für die die Kurie keinen eigenen Kandidaten stellte, war der Name Kardinal Bergoglios von Anfang an kandidatentauglich; „sickerte“ erst im Laufe des Konklave allmählich überall durch. Nachdem fälschlicherweise schon in einem Telegramm der italienischen Bischofskonferenz Leo XIV. als neuer Papstname verlautbart wurde, kursierten zudem die neuen Namen Johannes XXIV. bzw. Clemens XIV.; ehe mit der Verkündigung des „Habemus papam“ am 13. März 2013 Klarheit geschaffen wurde. Der neue Papst nahm den Namen Franciscus an; seine Authentizität wurde schon in den ersten Begrüßungsworten „Buona sera“ spürbar; jene Authentizität, die durch seine Einfachheit und Schlichtheit seiner Handlungen sowie auch in der Liturgie für alle erlebbar wird. Einer seiner großen Trümpfe ist sein missionarisches Denken.Er hat zudem im Vergleich zum emeritierten Papst Benedikt XVI. den großen Vorteil, dass er mit Südamerika einen ganzen Kontinent hinter sich hat sowie er daraus im Allgemeinen sowie aus dem weltumspannenden Jesuitenorden im Speziellen eine Personaldecke hat, die er für mögliche Ämter in Rom heranziehen kann.

 

Bei aller Euphorie und Erwartungen, die in den neuen Papst gesetzt werden, betonte Rektor Dr. Brandmayr, dass Papst Franciscus durchaus die von seinen Vorgängern getragene Linie der Kontinuität weiterführt. Trotz seiner direkten Art, das zu sagen, was er sich denkt bzw. trotz seiner unkonventionellen und überraschenden „Pressekonferenzen“ im Flugzeug sind seine oft konservativen Standpunkte bekannt. Freilich versucht er mittels eines von ihm einberufenen achtköpfigen Beratergremiums von auswärtigen Kardinälen bzw. Erzbischöfen eine Kurienreform einzuleiten; dies gestaltet sich wie eine Operation am offenen Herzen; noch keiner seiner Vorgänger der letzten Zeit hat dies geschafft. Die erstarrten Strukturen im Vatikan, wo selbst Ämter wie des Gärtners quasi als Familienerbpacht angesehen werden, erschwert ein solches Vorhaben. Größere Chancen sieht Rektor Dr. Brandmayr in der verstärkten Anwendung des Subsidiaritätsprinzips, mittels dem die Diözesen in die Lage versetzt werden sollen, viele der offenen Fragen auf diözesaner Ebene regeln zu können, anstatt diese stets Rom einer Entscheidung zuführen zu müssen. Freilich, Papst Franziskus hat eine neue bewegende Stimmung in den Vatikan bzw. Rom gebracht; das einzig realistische, was man sofort in dieser erstarrten Situation tun kann.

 

Rektor Dr. Franz Xaver Brandmayr vergaß auch nicht, von der positiven Entwicklung der Anima, des päpstlichen Priesterkollegs zu sprechen; neben den Renovierungen von Pfarrkirche, Kolleg und den zahlreichen Palazzi, die der Anima unterstehen, ist es ihm ein ernsthaftes Anliegen, die Bereiche Kolleg und Pfarre zusammenzuführen; ganz in diesem Sinne ist sein Verlangen, dass für jeden Anima-Studenten eine konkrete Aufgabe in der Pfarre vorsieht. Das Projekt der spätabendlichen Öffnung der zur Anima gehörenden und nahe der Piazza Navona gelegenen Pfarrkirche ist als neuer Akzent in der öffentlichen  Wahrnehmung der Anima zu sehen.

 

Kurzum, diesen Einblick, den uns Rektor Dr. Franz Xaver Brandmayr in das Geschehen rund um das neue Pontifikat gewährt hat, war für die Teilnehmer des Treffens ein „unwiederbringlicher“ Gewinn; das anschließende gemütliche Beisammensein stärkte einmal die Gemeinschaft der Altfreinberger in Wien!

 

Mag. Wilhelm Remes

 

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