Absolventenverein Kollegium Aloisianum
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01.10 2013, erstellt von Christian Müller, Quelle: Freinberger Stimmen (Mag. Wilhelm Remes)

Unfallchirurg Dr. Stefan Froschauer im Interview

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Dr. Stefan Froschauer

Dr. Stefan Froschauer (Mj. 98), Unfallchirurg im Akh Linz, Mitglied des Replant- und Handteams, Geschäftsführer des MAZ (Mikrochirurgisches Ausbildungs- und Forschungszentrum, im Interview mit Mag. Wilhelm Remes, Redakteur der Freinberger Stimmen.

 

Wie sind Sie damals auf das Kollegium Aloisianum aufmerksam geworden?

 

Mein Vater hat schon 1968 am Aloisianum maturiert. Dass ich die Tradition fortsetzen werde, stand eigentlich nie in Frage. Ich hoffe auch, dass uns meine Tochter in zwei Jahren nachfolgt.

 

Mit welchen Interessen für den weiteren Bildungsweg haben Sie das Aloisianum nach erfolgreich bestandener Matura verlassen?

 

Schon während der Zeit in der Oberstufe war mir klar, dass ich Medizin studieren werde. Da auch fünf meiner Klassenkollegen diesen Weg eingeschlagen haben, sind wir alle zusammen nach Innsbruck übersiedelt, um das Studium zu beginnen. Bis heute verbindet uns alle eine enge Freundschaft. Mit einem davon arbeite ich sogar direkt an meiner derzeitigen Arbeitsstelle im Linzer AKh zusammen.

 

Wie und wann erfolgte der Einstieg in ihr Berufsleben? Wann und wie hat sich die Möglichkeit ergeben, sich auf das Fach der Mikrochirurgie zu spezialisieren?

 

Nach absolviertem Studium bin ich 2006 zuerst nach Wien gegangen. Da ich relativ schnell wusste, dass ich mich auf die Unfallchirurgie und Handchirurgie spezialisieren wollte, habe ich dort gleich mit der Ausbildung begonnen. Später kehrte ich nach Linz zurück um meine Ausbildung zum Allgemeinmediziner zu absolvieren. Während dieser Zeit habe ich mich aber schon sehr in der Handchirurgie des Akh engagiert und bin auch über Kollegen zum mikrochirurgischen Ausbildungszentrum gestoßen. Von da weg war der Weg eigentlich vorgegeben.

 

Sie führen in ihrem Curriculum als Studienorte Innsbruck (med. Universität) und Berlin (Charité) an. Lassen sich die beiden Institutionen miteinander vergleichen oder handelt es sich da um zwei verschiedene Welten?

 

Nun, das Studium in Innsbruck war nicht vergleichbar mit der Charité. In Deutschland war schon damals alles sehr verschult und man hatte wenig individuellen Spielraum, den man uns in Österreich zu der Zeit noch ließ. Das hat sich ja inzwischen an den Unis auch schon wieder gravierend geändert. lm Vordergrund standen sicher die persönliche Erfahrung, die ich in Berlin sammeln konnte und die Kontakte, die ich bis heute aufrecht halte. In naher Zukunft werde ich auch noch einen Teil meiner Ausbildung in Berlin machen. Ich werde dann 6 Monate an der Charité als Arzt tätig sein.

 

Weiters führen Sie Hilfseinsätze in Südamerika und Afrika an? Wie kam es dazu bzw. mit welchen Herausforderungen waren Sie dort konfrontiert?

 

In Afrika war ich mit einem Team aus Kinderurologen. Ich durfte mit, um etwas Auslandserfahrung zu sammeln und bin heute noch dankbar dafür. Ich stand aber noch am Anfang meiner Ausbildung und konnte fachlich noch nicht all zuviel beitragen. Später kam ich über einen befreundeten Chirurgen aus den USA zu dem Team, das in Ecuador aktiv ist. Anfangs war ich nur als Ersatz für einen erkrankten Kollegen für einen Einsatz gedacht. Inzwischen bin ich fixer Bestandteil des Teams und werde im November schon das dritte Mal dabei sein, um angeborene Fehlbildungen an Kinderhänden zu korrigieren. Sowohl in Afrika als auch in Südamerika arbeiten wir immer an der Grenze des Möglichen.

 

Dr. Stefan Froschauer bei seinem Einsatz in Afrika

Die OPs und die Krankenstationen sind in keinster Weise mit unseren hier vergleichbar. Am Anfang der Woche müssen wir die Operationsräume praktisch selbst aufbauen. Aber alle Mühen sind es wert, wenn man die Freude der Eltern und der Kinder sieht. Anders als bei uns, gibt es auch kein Gemaule, wenn man zehn Minuten auf einen Arzt warten muss. Obwohl es anstrengend ist, ist es die beruflich angenehmste Zeit des Jahres für mich. Leider gibt es für solche Projekte zu wenig Sponsoren. Das heißt, dass ich sowohl Flug- als auch Unterbringungs- und Verpflegungskosten selbst tragen muss. Das ist zwar nicht ganz billig, aber es ist es mir wert - dafür habe ich ja studiert.

 

Was sind ihre Aufgaben innerhalb des Mikrochirurgischen Ausbildungszentrums?

 

Das MAZ (mikrochirurgisches Ausbildungs- und Forschungszentrum) war mein Einstieg in die Hand- und Mikrochirurgie. Schon als Student habe ich dort bei der Organisation von Kursveranstaltungen mitgeholfen und konnte dabei natürlich auch meine eigenen Fähigkeiten in der Mikrochirurgie trainieren. Mit der Zeit sind dann meine Aufgabenbereiche größer geworden. Heute bin ich Leiter des lnstitutes. Wir organisieren Fortbildungskurse für Mikrochirurgie und zählen mit unserem Labor und der Ausstattung zu den größten Anbietern weltweit. Zunehmend beschäftigen wir uns aber auch mit der praktischen Ausbildung von Studenten und jungen Ärzten. Das wird an den Unis leider noch vernachlässigt. Das funktioniert natürlich nur mit einem tollen Team, dem unter anderen auch mein ehemaliger Mitschüler Richard Schnelzer angehört, mit dem ich auch im Akh zusammenarbeite.

 

Wie sehen lhre Perspektiven hinsichtlich der neuen Medizinischen Fakultät bzw. Universität in Linz aus? Was erwarten Sie sich davon?

 

Das ist schon eine gute Sache mit der medizinischen Fakultät. Jetzt wo sie da ist, liegt es an der Politik und der Fakultätsführung auch etwas daraus zu machen. Ob die Errichtung einer Fakultät in Linz den Ärztemangel stoppen kann, bleibt abzuwarten. Aus meiner Sicht bedarf es da viel größerer Reformen. Schon an den bestehenden Unis liegt viel im Argen - auch dort sollte der Hebel angesetzt werden.

 

Was war bisher ihr bemerkenswertestes Erlebnis in ihrer beruflichen Laufbahn?

 

Da gibt es natürlich viele. Jeder Patient, dem man helfen kann und der sich darüber freut, ist etwas Besonderes. Ein Dankeschön, eine kleine Aufmerksamkeit oder eine Karte, die ein Patient schickt, all das motiviert wieder etwas mehr. Vom medizinischen Standpunkt waren die Replantation einer durch eine Kreissäge abgetrennten Hand und die Hilfseinsätze in Südamerika sicher die Highlights - bisher.

 

Frage nach dem Familienstand?

 

Ich habe mit meiner Familie gerade ein Haus renoviert, in das wir vor sechs Monaten eingezogen sind. Ich bin in der Gegend geblieben, in der ich meine Jugend verbracht habe; das Haus steht nur wenige Meter von meinem Elternhaus entfernt. Vom oberen Stockwerk kann man sogar aufs Aloisianum schauen.

 

Lässt ihr Beruf noch Raum und Zeit für andere Interessen und Hobbys?

 

Natürlich - das muss er doch. Als Jugendlicher und Student habe ich viel Fußball gespielt und damit auch einen Teil des Studiums finanziert. Da es aber nicht gereicht hat, das professionell zu machen, bin ich jetzt als Teamarzt bei meinem Herzensclub - den Blau-Weißen aus Linz - tätig. Selber spiel' ich auch noch zeitweise. Vor allem im Winter in einer Truppe aus ehemaligen Aloisianumschülern in der Turnhalle am Freinberg. Das hat aber ehrlich gesagt mehr sozialen Charakter als sportlichen Wert.

 

An welche Begebenheiten erinnern Sie sich gerne, wenn Sie an ihre Schulzeit im Aloisianum denken?

 

Da gibt es so Vieles - seien es die Fußballturniere, die wir auf dem kleinen Platz ausgetragen haben, die Wettrennen, die wir uns geliefert haben, um bei der Nachmittagsjause das ‚Scherzerl' des Brotes zu ergattern oder das gemeinsame Zittern bei der Überprüfung der Latein-Hausübungshefte. Unser Spanischausflug nach Barcelona mit Gabi Meinhart war auch ein ganz besonderes Erlebnis. lm Allgemeinen war es eine tolle Zeit. Ich habe keinen Tag bereut, meine Schulzeit im Aloisianum verbracht zu haben. Wir wurden gut aufs Leben vorbereitet, glaube ich, sagen zu können.

 

Wie intensiv ist ihr Kontakt zu ihren ehemaligen Klassenkollegen? Gibt es regelmäßige Treffen?

 

Wie schon erwähnt - mein engster Freundeskreis setzt sich aus ehemaligen Mitschülern zusammen. Mit einigen arbeite ich auch sehr eng zusammen. Mit anderen verbindet mich die Fußballrunde und immer wieder trifft man zufällig ein bekanntes Gesicht - und immer bleibt das Aloisianum der gemeinsame Nenner.

 

War das Aloisianum prägend für ihr weiteres Leben bzw. für ihren Beruf? Wenn ja, wie?

 

Absolut. Das ist auch eng mit meinen Klassenkameraden verbunden, denke ich. Wir haben zusammen studiert, uns nie aus den Augen verloren. Über unsere Zeit im Aloisianum haben sich da auch Freundschaften zwischen Charakteren entwickelt, die sonst wohl nicht zusammengefunden hätten. Und natürlich die breite Bildung, die wir erhalten haben. So sehr ich mich in der Schulzeit auch oft geärgert habe über die vermeintliche Sinnlosigkeit so mancher Fächer - die uns vermittelte Allgemeinbildung halte ich inzwischen für einen Segen.

 

Rückblickend auf ihren Berufsweg, welche Worte und Erfahrungen können Sie den heutigen Maturanten des Aloisianum auf ihren zukünftigen Weg mitgeben?

 

Das klingt ja fast so, als sollte ich das schon wissen - ich fühl mich aber eigentlich zu jung und unerfahren, um den Maturanten von heute gute Ratschläge zu erteilen. Nur eines steht für mich schon fest: wenn man Freude und Spaß daran hat, was man tut, dann macht man das auch gut. Diese Erfahrung habe ich zumindest in meinem bisherigen Leben gemacht.

 

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