Absolventenverein Kollegium Aloisianum
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02.06 2013, erstellt von Christian Müller, Quelle: Altfreinberger Rundschreiben (Mag. P. Paul Mühlberger SJ)

Der Kopf allein reicht nicht aus

papstfranziscus
Foto: www.vatican.va

Es freut mich, dass ich mich auf diese Weise wieder einmal mit euch ein wenig unterhalten kann. Ich bin, wie ihr wisst, an der Marienkirche in Steyr tätig, aber doch nicht so weit weg vom Aloisianum, dass ich nicht regen Anteil an der Ereignissen nehmen kann. Neben diesen schriftlichen Kontakten freut es mich sehr, dass die Altfreinberger-Treffen in der Hofburg, in den Räumlichkeiten der Altkalksburger, gut besucht sind und es immer wieder gelingt, Referenten aus unseren ehemaligen Schülern und Schülerinnen zu finden, die über ihre Arbeit interessant berichten können.

 

Ja, es hat sich viel ereignet, sowohl im Aloisianum als auch in der Kirche. Es gibt einen neuen Papst und es scheint auch einen neuen Wind in der Kirche zu geben, ein Öffnen der Fenster, was schon Johannes XXIII. auf sein Programm gesetzt hat. Es ist kein Papst seinem Vorgänger gleich. Und so sind bei jeder Papstwahl  unsere Erwartungen groß. Wird es der Kirche mit einem neuen Oberhirten gelingen auch neue Wege zu gehen, wird es der Kirche gelingen, den religiösen Glauben wieder in einer sympathischen Weise den Menschen von heute nahe zu bringen, nicht einen verwässerten Glauben, der nichts verlangt, der keine Forderungen beinhaltet, sondern den ganze Glauben an die Botschaft Jesu. Was viele Menschen an Papst Franziskus gefällt ist seine Einfachheit, seine klare Botschaft von der sich die Menschen viel erwarten. Es wird sicherlich nicht gleich der Zölibat gelockert und die Frauen zum Priesteramt zugelassen; aber es gibt Signale für Veränderungen, nicht im Sinne vom Verschönen einer Fassade, sondern durch Veränderungen von der Basis her.

 

Vielfach ist der Bezug zum Glauben in unserer Gesellschaft im Schwinden. Der religiöse Glaube wird nicht bekämpft, was noch schlimmer ist, man braucht ihn nicht mehr, um gut leben zu können. Man braucht auch Gott nicht mehr. Und wenn ein religiöser Bedarf vorhanden ist, dann bedient man sich wie auf einem Supermarkt. Ein wenig vom Christentum, eine Dosis Buddhismus, gemischt mit den verschiedensten Heilsangeboten der Esoterikszene. Und da haben wir nun einen Papst, der sich ganz bewusst den Namen Franziskus gewählt hat,  jenen großen  Heiligen  des  Mittelalters, Franz von Assisi. Dieser Heilige, dessen Ziel es war, die engste Weise der Nachfolge Christi zu leben, in tiefster Armut, im Zugehen auf die Menschen und in einer großen Liebe zur Kirche, zu einer Kirche, die in seiner Zeit sehr verweltlichte Züge hatte. Es wird spannend werden, zu sehen, wie Papst Franziskus seine Vorstellungen von Kirche und Welt umsetzen wird.

 

Ich habe vor einiger Zeit mit Jugendlichen über das Thema „Kirche“ ein Gespräch geführt und die Frage gestellt: Was erwartet ihr euch vom neuen Papst? Aber ich stellte auch eine Gegenfrage: Was erwartet sich der Papst von euch? Da war zunächst betroffenes Schweigen und es zeigte sich wieder jene Einstellung, die viel erwartet, selber aber „abwartet“, sich sozusagen religiös bedienen lässt. Viele Menschen nehmen wohl das Serviceprogramm der Kirche in Anspruch, wie Taufe, Erstkommunion Firmung und die Hochzeit in einer prunkvollen Kirche, aber dass der Einzelne in der Kirche einen Auftrag hat, das wird nicht wahrgenommen, vielmehr eifrig Kritik geübt (unsachlich oft und aus der Stimmung heraus).  Durch so ein Verhalten wird die Kirche nicht lebendiger. Veränderungen geschehen nicht durch Dekrete von oben herab, schon gar nicht durch Revolutionen, sondern bedienen sich eines längeren Wachstums, eines Wachstums, an dem jeder Einzelne etwas zu leisten hat.

 

Ich verfolge immer wieder die Vatikanhomepage mit den verschiedenen Ansprachen des Papstes. Da wird es klar, von welchen Ansatzpunkten der Heilige Vater bei seiner Hirtenaufgabe ausgeht. So  hat  Papst  Franziskus  am  19. April in einer Ansprache vor den Angestellten der Vatikandruckerei und des Osservatore Romano vor Ideologien gewarnt. „Der Kopf allein reicht nicht aus, um das Evangelium Jesu Christi zu verstehen, im Gegenteil, er verfälscht es nur“. Er warnte vor einer kurzsichtigen und  rein  verstandesmäßigen  Sichtweise; die Bibel kenne viele Personen – vor allem im Streit mit Jesus -, die uns das verdeutlichen; „Das sind die großen Ideologen.  Das Wort Jesu geht zum Herzen, weil es ein Wort der Liebe ist, das wiederum lieben lernt. Jene aber schneiden diese Liebe ab, jene Ideologen. Und auch die Schönheit.  Die diskutieren unaufhörlich die Frage, wie er uns seinen Leib  zu essen geben kann. Das ist ein rein intellektuelles Problem! Und wenn die Ideologie in der Kirche dazukommt, wenn die Ideologie die Vernunft des Evangeliums beeinträchtigt, dann versteht man nichts mehr.“

 

Eine andere Falle: Der Moralismus. Der Papst spricht jene an, die meinen, zu verstehen, aber wiederum nur mit dem Kopf bei der Sache sind. „Diejenigen, die nur über das Müssen sprechen, laden alles auf die Schultern der Gläubigen. Diese Ideologen verfälschen das Evangelium. Jede ideologische Interpretation, woher sie auch komme, ist so eine Verfälschung des Evangeliums. Und diese Ideologen werden, wie wir in der Geschichte der Kirche gesehen haben, Intellektuelle ohne Talent, Ethiker ohne Güte. Und von Schönheit sprechen wir gar nicht, denn davon verstehen sie nichts.“

 

Wenn ich recht verstanden habe, geht es um den Glauben, der sich letztlich der wissenschaftlichen Beweisbarkeit entzieht, so wie die wesentlichen Dinge unseres normalen Lebens nicht wissenschaftlich mit dem Parametern Zählen, Wiegen und Messen in den Griff zu bekommen sind. Man kann eben die Liebe zweier Menschen zueinander nicht wissenschaftlich beweisen. So sind gerade die elementarsten Dinge menschlichen Lebens Dinge des Glaubens und nicht des Beweisens. Bei all dem Gesagten erübrigt es sich auch das geflügelte Wort: „Glauben ist nicht Wissen“ zu widerlegen.

 

Zum Schluss gesagt: Der  wahre Realist ist der gläubige Mensch, der sein Leben in seiner gesamten Perspektive erfasst und danach ausrichtet. Unser Intellekt wird immer eingeengt sein, was der Glaube uns bietet übersteigt ihn unendlich, auch wenn wir es nicht gerne begreifen wollen. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein erfülltes Leben, ein sympathisch gelebtes Christsein mit all seiner Strahlkraft.

 

P. Paul Mühlberger SJ

 

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