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19.10 2013, erstellt von Christian Müller, Quelle: Altfreinberger Rundschreiben, P. Paul Mühlberger, SJ

Zachäus und die Neugier

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Die Begegnung Jesu mit Zachäus (Foto: WikiPedia, Public Domain)

Eigentlich  erwartet  man  sich  für  die  kommende  Adventszeit  auch  eine  entsprechende  Geschichte  und  auch  ein  passendes  Bild  dazu. Das ist leider diesmal nicht  der Fall. Was ihr hier seht ist die  Illustration zu einer der reizvollsten Erzählungen aus dem Neuen  Testament: 

 

Die  Begegnung  Jesu  mit dem Zöllner Zachäus.  Zachäus,  der  Neugierige,  Zachäus,  der  sehen  wollte,  was  sich  unter  ihm  ereignete,  ohne  sich  dabei  zu  engagieren,  Zachäus,  der  nicht  ahnte,  dass  hinter seiner Neugier eine  tieferes  Sehnsucht  sich  verborgen  hatte,  eine  Sehnsucht  nach  dem  Wesentlichen seines Lebens,  eine  Sehnsucht,  die  sich  nicht  zufrieden  gab  mit  seinem  weltlichen Besitz. Auch zwischen Zachäus auf dem  Baum  und  Jesus  gab  es  zunächst  nur  diesen  Blickkontakt,  den  Kontakt  eines  Neugierigen und dem Blick Jesu,  der etwas Besonderes mit diesem  Zachäus vorhatte. Neugier ist nicht immer eine besonders  geschätzte  Eigenschaft.   Der Mann, Zachäus heißt er, von  dem heute im Evangelium erzählt  wird,  war  jedenfalls  neugierig.  Neugierig war er auf jenen Mann  Jesus,  der  durch  das  Land  zog  und von dem die Leute behaupteten,  er  sei  der  Messias. 

 

Nun,  dieser Zachäus war einer der vielen  Zollpächter,  die  für  Herodes  oder die Römer die Steuern eintrieben, heute wie damals unbeliebt.  Aber  er  konnte  gut  davon  leben.  Dass  er  von  den  Leuten  gemieden  wurde  ergab  sich  aus  diesem Beruf. “Zöllner und Sünder”, das war eine stehende Redewendung  für  Leute,  die  man  am besten mied. Sein  Wunsch  wird  im  Text  klar  umschrieben: Er möchte Jesus sehen. Und da er klein war, musste  er sich etwas einfallen lassen und  so  kletterte  er  auf  einen  Baum.  Nun, so dachte er, ich kann jetzt  alles sehen, was sich da drunten  ereignet und mich sieht niemand.  Falsch  gedacht.  Als  Jesus  vorbei  geht, schaut er auf den Baum hinauf  und  natürlich  wenden  sich  die Blicke der Begleiter Jesu auch  auf  den  Baum,  in  dessen  Geäst  der neugierige Zachäus sitzt. Eine  unangenehme  Situation.  Nun hätten alle in ein helles Gelächter  ausbrechen  können,  so  komisch  muss  die  Situation  gewesen sein. Aber niemand lacht,  niemand  macht  sich  lustig  über  ihn.  Ganz  im  Gegenteil:  Jesus  nimmt diesen neugierigen Mann  sehr ernst und er tut etwas, was  seine Begleiter nur mit dem Kopf  schütteln lässt: er lädt sich in das  Haus des Zachäus ein. Er geht in  das  Haus  des  Verachteten,  will  mit ihm zusammen sein. Die  Reaktion  des  Zachäus  ist  erstaunlich!  Es  überstürzen  sich  die  Ereignisse.  Schnell  ist  er  vom  Baum  herunter,  und es folgen Worte der  Umkehr.  Er  möchte  den  Schaden  gut  machen,  den er anderen zugefügt  hat.

 

Sie können das alles nun  hören,  sie  können  auch  darüber  staunen,  wie  Jesus  handelt;  aber  das  tun  sie  bei  anderen  Geschichten  auch.  Es  muss  vielmehr daran gedacht werden,  dass die Geschichte einen jeden  von uns etwas angeht. Neugier vor der Krippe, Neugier  auf die Botschaft Gottes, der uns  mit  Kinderaugen  anblickt,  Neugier  auf  den  Einfluss  dieses  Blickes  auf  mein  Leben.  Sind  wir  neugierig  auf  Gott  und  seine  Botschaft? Wenn wir ehrlich sind,  glauben  wir  zwar  an  ihn,  aber  hat  dieser  Glaube  auch  Auswirkungen auf unser Leben? Sind wir  neugierig darauf, welche Gedanken  uns  Gott  schenkt,  wenn  wir  vor  der  Krippe  stehen?  Tun  wir  etwas,  um  Jesus  und  somit  Gott  ein  wenig  näher  kennen  zu  lernen?

 

Hinter jeder Sehnsucht und hinter  jeder  Gier  liegen  wesentliche  Dinge  verborgen,  die  uns  in unserem persönlichen Wachstum  voran  helfen  können.    Bei  Zachäus  wird  sich  hinter  seiner  Sehnsucht  und  Neugier,  seiner  Geld-Gier  und  Hab-Gier  vieles  verbergen.  Vielleicht  ist  die  Beförderung  zum  Oberzöllner  und  damit die Anerkennung durch die  Römer  ein  Ersatz  dafür,  dass  er  von anderen viel zu wenig Wertschätzung erfahren hat. Vielleicht  ist die Gier nach Geld und nach  sicherem  Wohlstand  das  einzige  Mittel, um die innere Leere auszugleichen.  Was  es  immer  auch  gewesen  sein  mag  –  eines  wird  deutlich: Der Impuls, der ihn auf  den  Baum  hinauf  klettern  lässt,  um  Jesus  zu  sehen,  ist  mehr  als  blanke Neugier. Er hat etwas zu  tun  mit  seiner  unerfüllten  Sehnsucht,  mit  verlorenem  Ansehen  und  mit  all  dem,  was  es  neu  zu  suchen gibt.

 

Warum es schließlich zur Begegnung  zwischen  Jesus  und  Zachäus  kommt,  sagt  der  letzte  Satz  des  Evangeliums.  „Der  Menschensohn ist gekommen, um zu  suchen und zu retten, was verloren  ist.“  Verlorenes  suchen  und  retten: das ist das Programm, mit  dem  Jesus  am  Anfang  in  seiner  Heimatstadt  öffentlich  angetreten ist. Dies macht er zum Schluss  seines Wirkens noch einmal deutlich. Er sucht, wo Menschen sich  verloren haben. Und  so  stehen  wir  vor  der  Krippe  mit  dem  göttlichen  Kind,  wir  müssen uns niederknien um den  Blickkontakt  mit  ihm  zu  haben.  Ihm  Aug  in  Aug  begegnen.  Und  vielleicht  kommt  bei  dieser  Begegnung auch in uns etwas zum  Vorschein,  wird  etwas  lebendig,  dass wir das Jahr über verschüttet haben. Die Hirten waren neugierig und brachten ihre Gaben.  Was  könnten  wir  bringen?  Wie  wäre es, wenn wir den Schutt und  das Gerümpel in unserem Leben  als  Geschenk  brächten,  damit  sein Heil einen Raum in unserer  Seele findet.

 

Ich  wünsche  euch  einen  gesegneten Advent und ein ebenso gesegnetes Weihnachtsfest.                                      

 

P. Paul Mühlberger SJ

 

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