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01.05 2012, erstellt von Christian Müller, Quelle: Altfreinberger Rundschreiben, P. Paul Mühlberger, SJ

Was fangen wir mit dem Pfingstfest an?

pfingsten
Pfingsten (Foto CC0 Public Domain)

Unsere Kirche feiert verschiedene Feste, welche zum Herzen dringen, darunter drei sogenannte Hochfeste; aber während Weihnachten durch den Hl. Nikolaus, Maria Empfängnis und die Adventszeit, Ostern dagegen durch Aschermittwoch, Fastenzeit und Karwoche entsprechend angekündigt, vorbereitet, und gewissermaßen eingeläutet werden, ist Pfingsten ohne jeden klerikalen Countdown ganz plötzlich einfach da, und wenn man nicht genug aufpasst, erfährt man vom Pfingstfest nur die traurige Bilanz der Verkehrsunfälle auf unseren Straßen.

Während Weihnachten und Ostern die ganz großen Ereignisse eines Menschenlebens, Geburt und Tod behandeln, spielt Jesus Christus in Pfingsten gar nicht persönlich mit, es fehlt sozusagen der Hauptdarsteller und der Normalverbraucher weiß oft gar nicht, worum es bei diesem Fest so richtig geht.

Es gibt zu diesem Fest auch keine typischen Geschenke wie zu Weihnachten und zu Ostern. Es gibt nur das Geschenk des Geistes. Aber was sollen wir damit anfangen. Und so könnte man in Abwandlung zu Goethes Dichtung „Reineke Fuchs“ sagen: „Pfingsten, das schwierigste Fest war gekommen“.

Was fangen wir also mit dem Pfingstfest an? Zunächst müssen wir feststellen das Jesus das Kommen des Hl. Geistes als ein großes Geschenk an uns Menschen verstanden hat. In der Hl. Schrift wird der Geist Gottes unter zwei Bildern dargestellt: unter dem Bild des Sturmes und dem Bild des Feuers. Die Schilderung der Bibel will nicht eine Bildreportage sein, sondern will uns nur auf die wesentlichen Geschenke Gottes hinweisen, die wir durch den Hl. Geist erfahren. Wir wissen, was Wind oder Sturm ist. Ihn selbst sehen wir allerdings nicht, wir spüren nur seine Auswirkungen, wie er die Zweige der Bäume bewegt, wie wir uns gegen ihn anstemmen müssen um voranzukommen. Und auch das Feuer ist für uns ein deutliches Bild. Durch einen kleinen Funken entsteht es und es brennt, solange es etwas Brennbares gibt. Es spendet Licht und Wärme. Und wir erfahren aus dem Neuen Testament, dass die Apostel durch die Sendung des Hl. Geistes umgewandelt, verändert wurden.

Man könnte erklärend zum Pfingstfest auch sagen: Gott teilt von seiner Lebensfülle mit. Wie Wasser die Wüste zum Leben bringt, so wirkt Gottes Geist in der „Wüste“ menschlicher Not. Und so geht die Rede vom Heiligen Geist jeden an, der bewusst als Christ leben will. Die Sakramente der Taufe und der Firmung sind mit einer besonderen Geistgabe verbunden. Wie kann sie wirksam werden? Wie wird ein Mensch empfänglich für den Geist Gottes? Wie wird ein Mensch so, dass ein guter Geist, der Geist Gottes auch von ihm ausgeht?

Gottes Geist hat eine innere Dynamik in sich; wer von ihm erfasst wird, kann nicht unbeweglich-starr bleiben, sondern wird in Bewegung gesetzt. Bewegung aber bedeutet Wachstum, Entwicklung, Veränderung - auch Korrektur, Loslassen von Altgewohntem. Oft gehört Mut dazu, seine Meinung zu korrigieren. Andererseits kann Veränderung auch Flucht vor sich selbst und vor der eigenen Überzeugung sein. Dann braucht es mehr Mut, beim Bisherigen zu bleiben als sich zu verändern. Gottes Geist wird in der Begegnung erfahren. Beziehung zum unsichtbaren Gott ist schwer; meist gelingt sie nur in der Begegnung mit dem sichtbaren Menschen. Jemand kann sich dem Geist Gottes öffnen, indem er auf den anderen zugeht - das kann ein Fremder oder ein Freund sein, daheim oder auf dem Arbeitsplatz oder sonstwo.

Zum Geist gehört Leidenschaft, aber nicht Fanatismus und Schwärmerei. Typisch für den Fanatismus ist Besessenheit von einer Idee, die jede andere Auffassung ablehnt. Schwärmerei lebt oft nur von Gefühlen, die so schnell wieder vergehen können wie sie gekommen sind. Der Geist Gottes in uns ist es auch, der uns verantwortlich macht für andere. Je mehr ein Mensch von der Nähe Gottes betroffen wird, umso mehr ist er auch befähigt, anderen von dem, was er selbst erfahren hat, mitzuteilen. Vom Geist Gottes heißt es auch, dass er das Angesicht der Erde erneuern will. Und das fängt beim einzelnen Menschen an. Dazu braucht es Bereitschaft, Offenheit und Tun. Aber das Eigentliche ist Geschenk Gottes. Die Begegnung mit Gottes Geist verwandelt und erlöst. Meist geschieht solche Erneuerung nicht in einem Augenblick, auch nicht allein bei der Firmung, sondern ein Leben lang. Deshalb ist ein „geisterfülltes“ Leben spannend und voll von Überraschungen, aber auch mühsam.

Wie man sieht könnte uns das Pfingstfest auf allerhand wichtige Dinge in unserem religiösen Leben aufmerksam machen. Gott hat uns nicht nur seinen Sohn geschenkt, damit er eine zeitlang auf unserer Erde gegenwärtig war. Diese Gegenwart sollte fortdauern und zwar durch uns. Es ist wichtig, dass wir im Sinne Jesu unser Leben leben, dass wir gleichsam ein zweiter Christus werden, dass die Gegenwart Gottes in dieser Welt auch durch uns hindurch sichtbar und spürbar wird.

Es hat einmal jemand gesagt, es sei einigermaßen gefährlich, um den Heiligen Geist zu bitten. Es könnte ja immerhin sein, dass er unser Beten und Bitten wörtlich nimmt und beginnt, uns zu verändern. Davor erschrecken wir ja immer wieder, denn im Grund unseres Herzen wollen wir keine Veränderungen, solange alles nach der alten Art und Weise doch irgendwie funktioniert. Dass der Geist Gottes manchmal spontane Wege geht, hat sich im Leben des Papstes Johannes XXIII. gezeigt. Er war selbst völlig überrascht, als ihm kaum drei Monate nach seiner Wahl zum Papst der Gedanke kam, ein Konzil für die ganze Kirche einzuberufen. Am 25. 1. 1959 teilte er seinen Plan der Weltöffentlichkeit mit. Die Reaktion war höchst unterschiedlich. Diejenigen, die vor jeder Erneuerung Angst hatten, fürchteten, es könnte sich in der Kirche etwas ändern. Es sei doch alles richtig in der Kirche, meinten sie. Andere jedoch sahen darin ein Zeichen der Hoffnung, weil sie erwarteten, dass sich endlich einiges ändern werde. Der Papst selbst sagte, dass ihm die Idee zum Konzil vom Geist Gottes geschenkt worden sei. Als ein Kardinal ihn fragte, was das Konzil solle, öffnete der Papst die Fenster und erwiderte Nur: „Frische Luft“.

Tatsächlich hat das 2. Vatikanische Konzil die Kirche verändert wie kein anderes Ereignis in diesem Jahrhundert. Sie nahm Abschied von vielen veralteten Vorstellungen und beschloss, neue Wege zu gehen. Die Beziehungen zu den anderen Religionen wurden verbessert. Das Verhältnis zu den Juden wurde auf eine neue Basis gestellt. Die Gewissensfreiheit wurde proklamiert. Die Liturgie wurde erneuert und die Feier der Eucharistie in der Landessprache erlaubt. In den Kulturen der Dritten Welt begann das Christentum nach dem Konzil heimisch zu werden. Dort teilen die Christen seither die Zeit so ein: vor dem Konzil - nach dem Konzil. Johannes XXIII. hat den Abschluss des Konzils nicht mehr erlebt. Er starb Pfingsten 1963, also am Tag des Heiligen Geistes. Die Beschlüsse des von ihm einberufenen Konzils sind für die Erneuerung der Kirche bis heute wirksam, leider noch nicht alle umgesetzt! Ob Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes weiterhin ein Fest bleiben wird mit dem wir uns schwer tun, mit dem wir nicht viel anfangen können, das hängt auch von uns ab. Es ist ein Fest der Herausforderung und gleichzeitig ein Fest der Zuversicht, den die Kraft des Geistes Gottes ist nicht zu unterschätzen. Der gleiche Geist, der am Anfang der Schöpfung über den Wassern schwebte und das Weltall gestaltete, der gleiche Geist, der dem Menschen eingehaucht wurde und ihn so über das bloß Materielle hinaus hob, der gleiche Geist ist auch uns geschenkt und möchte in uns wirksam werden, möchte uns und das Angesicht der Erde erneuern. Unsere Bereitschaft für diesen Geist ist die notwendige Voraussetzung für sein Wirksamwerden in uns. Es ist zu hoffen, dass das auch den vielen Firmlingen dieser Tage bewusst ist. Pfingsten, kein Fest, mit dem wir nichts anfangen können, Pfingsten auch kein Fest der Menschen, die sich in riesigen Autokolonnen in den Süden begeben, Pfingsten aber ein Fest für alle die, denen das Schicksal der Welt und der Menschen in ihr nicht gleichgültig ist und die den Mut haben, Gott für die Gestaltung seiner und unserer Welt ihre Mitarbeit anzubieten.

Ich wünsche Euch allen einen erholsamen Urlaub und freue mich sehr, hin und wieder von Euch zu hören.  

Euer P. Paul Mühlberger SJ

 

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