Absolventenverein Kollegium Aloisianum
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20.12 2014, erstellt von Christian Müller

Tempus fugit

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Ereignisse statt Minuten (Foto CC0 Public Domain)

Während der Schulzeit zog es sich ewig, bis endlich wieder Wochenende war. Unendlich lang zog sich das Schuljahr. Nun folgt ein Maturajubiläum dem anderen und die Jahre dazwischen vergehen immer schneller. Wieso rast die Zeit an uns immer schneller vorbei, je älter wir werden?

 

Die Mathematik hat eine einfache Antwort: Fünf Jahre für einen Zehnjährigen sind sein halbes Leben. Für einen 50-Jährigen gerade einmal ein Zehntel. Freilich kommt einem ein Zehntel gegenüber der Hälfte relativ kurz vor. Die Erklärung klingt verlockend einfach. Doch wie lässt es sich erklären, dass – egal in welchem Alter – die halbe Stunde Wartezeit beim Arzt oder auf den Bus ewig dauert und ein unterhaltsamer Abend mit Freunden wie im Flug vergeht?

 

Unser Zeitempfinden scheint jedenfalls nicht wie ein Uhrwerk zu ticken. Unser Zeitempfinden misst das Leben nicht in Minuten, Stunden, Jahren, sondern in Erlebnissen. Die Zahl der Erlebnisse bestimmt unser Zeitempfinden. Folgen viele Ereignisse - vor allem Neuartiges und/oder Emotionales (der erste Kuss, der erste Schultag, …) -  schnell aufeinander, dann wird die dabei vergehende Zeit als kurz empfunden. Die physikalisch gleich lange Zeit, jedoch gleichsam ereignislos mit Warten oder Routinearbeiten verbracht, wird dagegen als lang erlebt.

 

Das erklärt aber noch nicht, warum die Jahre mit zunehmendem Alter immer kürzer erscheinen. Im Gegenteil. Gehen wir davon aus, dass in unserer Kindheit und Jugend permanent neue Ereignisse passieren, im Alter hingegen weniger Neues, dann müsste ja die Zeit in unserer Kindheit und Jugend schneller vergehen als im Alter. Subjektives Zeitparadoxon nennt die Psychologie das Phänomen, dass es, im Nachhinein betrachtet, genau umgekehrt ist. Blicken wir also zurück, empfinden wir Zeiten relativer Ruhe als kurz, aktive Phasen hingegen als länger.

 

Dieses umgekehrte Zeitempfinden in der Retrospektive hängt damit zusammen, dass das Gehirn in aktiven Phasen laufend neue Eindrücke verarbeiten muss und deutlich mehr Informationen aufnehmen muss als in passiven Phasen. Wenn wir viel Neues oder Emotionales erleben, vergeht die Zeit in diesem Moment für uns sehr schnell. In der Rückschau erinnern wir uns dann an all diese vielen Ereignisse. Deshalb erscheint uns die Zeit im Nachhinein lang. Im Alter passiert weniger Neues, vieles ist Routine geworden. Das Gehirn hat weniger Informationen zu verarbeiten. Weniger Neuartiges gibt es aneinander zu reihen. Rückblickend erscheint daher die Zeit verkürzt.

 

Wie man’s auch dreht und wendet: Tempus fugit. Während wir uns beim Maturatreffen blendend unterhalten, verfliegt die Zeit, und bis zum nächsten Treffen, wird die Zeit zwischen meinen Fingern wieder verrinnen … Es bleibt der tröstliche, zweite Teil des lateinischen Sprichworts „tempus fugit, amor manet“. Die Zeit flieht, die Liebe bleibt. Es ist nicht das Ticken der Uhr, es sind die berührenden Ereignisse,  nach denen wir Menschen  unsere Lebenszeit bemessen. Egal, ob unter dem Christbaum oder am Arbeitsplatz oder wo auch immer wir gerade in unserem Leben stehen.

 

Eine ereignisreiche Zeit wünscht Euch der Vereinsvorstand

 

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